• Dane.B.Rock

Noahs Schulerfahrung

Jeden Morgen, wenn unser Sohn wieder motiviert und gut gelaunt das Haus verließ, um auf seinem Skateboard in die Schule zu rollern, kam er frustriert und schlecht gelaunt am Nachmittag nach Hause. Frustriert von einem Unterricht, dessen Inhalte vom Morgen er am Nachmittag wieder vergessen hatte. Nicht, weil er sich das nicht merken konnte, weil er Probleme mit dem Gedächtnis hatte, oder das Ganze einfach nicht verstand, nein, weil er lieber etwas lernen wollte, was seinem Lebensinhalt dienlich ist.

Das sagte er mir Tag für Tag. Ausgerechnet dort, wo er durch Lernen Erkenntnisse gewinnen, wo diese Fähigkeit verfeinert und veredelt werden sollte, wurde sie ihm ausgetrieben.

Seine Lehrer waren der Meinung, dass er den vorgegebenen Lernstoff des Lehrplans lernen muss, sonst gäbe es schlechte Noten. So lernte Noah recht früh, dass Lernen in der Schule nicht das Lernen ist, das er sich wünschte und dass Lernen auch eine Strafe sein kann, wenn man sich nicht an die Regeln hält.

Von Anfang an hatte er viele Probleme in der Schule, konnte sich dort nicht einfinden und kam nie wirklich dort an. Bereits im zarten Alter von sieben Jahren empfand er Schule als Gefängnis mit hohen Zäunen, er fühlte sich eingesperrt und unwohl. Was natürlich auf keinerlei Gegenliebe bei den Lehrern stieß, die Folge waren unschöne Auseinandersetzungen, erzwungene Psychologenbesuche, Ärger und Mobbing.

So kam es, dass Noah von Anfang an ungern in die Schule ging. Nach dem Kindergarten hatte er sich recht euphorisch und ungeduldig auf die Schule gefreut, zum Schluss war es ihm dort langweilig geworden. Nach wenigen Wochen kam es bedauerlicherweise bereits zu einer Ernüchterung. Wissenshungrig und voller Erwartungen, lernbereit, nicht wissend was auf ihn zukommt, startete er ins Schulleben. Er fand sich dann in einem System wieder, das ihn letztendlich in seinem unendlichen Wissensdurst ausbremse und ernüchterte.


Die einmalige Gabe von Kindern, neugierig und begeisterungsfähig zu sein, zu lieben, zu entdecken und auch zu vertrauen, kann bis heute im Tagesablauf des Schulprogramms scheinbar nicht aufgenommen werden. Ein Vorschlag: Schule könnte ein Ort der Erfahrung und persönlichen Ausdehnung werden. Ein Ort an dem Lehrer beobachtend und fördernd zur Seite stehen und nicht fordernd. Ein Ort, an dem das Interesse und die Talente der Kinder maßgerecht begleitet werden.


Anfangs war Noah noch offen und ehrlich, strotzte vor Selbstbewusstsein über das, was er schon alles konnte. Er wollte selbst gestalten, nicht verwaltet werden. Und er spürte mit seiner enormen Sensibilität, dass diese Art von Schule, wie er sie erlebte, das Gegenteil in ihm bewirkte.

Er liebte schon von klein auf die Natur, wollte Berge erklimmen, auf Wellen reiten, Tiere erkunden und immer mit seiner geliebten Kamera ausgestattet, den Wind spüren, der Wind, der ihn mitnahm in die Freiheit. Er war sehr klar, konnte nicht verstehen, warum Menschen sich bekriegen, hatte eine tiefe Sehnsucht nach Frieden. Und dieser Frieden war es, den die Schule ihm raubte. Er geriet in eine künstliche Hackordnung, in der derjenige „erfolgreich“ war, der sich ohne Murren und Nachdenken unterordnete und das perfekt wiedergab, was der Leiter dieser Hackordnung, der Lehrer, vorgab. Eigene Ideen und Gedanken waren nicht besonders erwünscht und die Tatsache, dass er sich zu Tode langweilte und lieber für ihn interessanten Dingen nachgab, trugen natürlich nicht dazu bei, dass er ein aufmerksamer Schüler war.

Der schon recht frühe Drang nach Freiheit und seine eigenen kreativen Gedankenwelten zu folgen, wurden durch das System Schule, so wie er es kennen lernte, Schritt für Schritt zerstört.


Das ist doch kein Einzelfall, oder?

Fühlte sich nicht jeder an einem gewissen Zeitpunkt unwohl in der Schule und hat sich dann irgendwie arrangiert und das Beste draus gemacht?

Nun ist es wirklich das Beste? Das Gefühl von klein auf vermittelt zu bekommen:

Du bist nicht genug… es muss etwas zu dir hinzugefügt werden, damit du gut oder besser wirst…?

Ist nicht das der Grundstein, für all die darauffolgenden Probleme im Leben der allermeisten Menschen?

Selbstwertverlust, Visionen sterben, Selbstvertrauen wird abgebaut, Erfolg wird in einem Einheitsbrei zerkocht, alle bis sie zerfallen...?

Ist es nicht eher so, dass wir perfekt sind, weil wir so geboren sind – vollkommen aus der Quelle des Universums – einfach göttlich?

Jeder seine Gabe und Talente in sich trägt...?

Sind nicht die „großen“ Persönlichkeiten die, die sich nie beirren ließen, sich nicht eingefügt haben, die die Schulabbrecher waren..?

Nur haben leider nicht alle diese unerschütterliche Kraft oder Verbindung zu sich selbst, die sich durch nichts und niemanden ablenken lässt…

Vieles verschwindet im Unterbewusstsein und blockiert dich ein Leben lang, bis die Entscheidung getroffen wird, wieder danach zu suchen, was verloren gegangen ist und hoffentlich wieder zu finden.

Es ist nie zu spät, spätestens am Sterbebett, wird es dir wieder klar sein. Doch ist es nicht von einem unschätzbaren Wert vorher wieder zu finden und zu erleben wer du wirklich bist: Ganz, stark, perfekt, mächtig, liebevoll harmonisch und glücklich...?


Noah hat einen großen Sinn für Gerechtigkeit, der in der Schule ebenfalls mit Füssen getreten wurde. Erlebte er doch tagtäglich auf dem Schulhof, dass die Falschen bestraft

und die eher Leisen schon im recht jungen Kindesalter gemobbt wurden. Er war plötzlich mittendrin im Zahnrad Leistungsdruck und Anpassung und wollte doch viel lieber anders lernen und leben. Und es fing an, ihn krank zu machen. Peu a peu äußerte sich dies angefangen von Erkältungen, Halsschmerzen über spastische Bronchitis bis letztlich hin zu akuten Herzproblemen. Scheinbar ein Ausdruck von unterdrückter Kommunikation, von Nase voll bis Atemnot und Herzstillstand. Tränen flossen ohne Ende, gepaart mit purer Verzweiflung und einer immensen Sehnsucht, dort rauszukommen, aus diesem „Gefängnis“. Hinzu kam das Gefühl von eigener Wertlosigkeit: Ich funktioniere nicht in diesem System, ich bin hier falsch, ich mache alles falsch, ich passe hier nicht hinein und bin deshalb nichts wert. Und selbst die von seinen Eltern als besonders wertvoll vermittelten Werte, wie Freundschaft, Liebe und Toleranz konnten dieses Gefühl des eigenen Versagens nicht auffangen. Denn, so wurde es suggeriert, Versagen im Schulsystem ist gleich zu setzen mit Versagen in der Gesellschaft, gleichzusetzen mit einer verbauten Zukunft. Und er wurde immer stiller, immer kränker.




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